Bei der Erarbeitung einer Security Strategie landet man meist an einer Weggabelung und muss sich entscheiden:

Best-of-Breed: Pro Security Bereich ein Tool / ein Hersteller, welcher auf diesem Gebiet spezialisiert ist (NGFW, WAF, SASE/SSE, Endpoint/EDR, Email Security, Cloud Security …)

Single Security Vendor: Eine Plattform, die mehrere Security Bereiche abdeckt und vereint. Dabei setzt die Plattform Wert darauf, dass End-to-End View, zentrales Management und zentrales Logging über die verschiedenen Lösungen hinweg angeboten wird.

 

Vorab: Beide Ansätze können gut funktionieren. Dabei ist weniger entscheidend, ob die Lösung in einer Zeichnung rechts oben auftaucht (Hydranten, Quadranten, 😉), sondern, ob diese eure Anforderungen zuverlässig abdecken. Das heisst, dass die Lösung die technischen Anforderungen des Unternehmens erfüllt und im Betrieb stabil ist.


Person arbeitet an einem Laptop, während digitale Einkaufswagen-Symbole den sicheren Download von Software und digitalen Produkten darstellen.

Best-of-Breed: maximale Auswahl an Features, aber mehr Abstimmung zwischen den Security Bereichen / Produkten

Du wählst pro Security Bereich das Tool, das am besten zu euren Anforderungen passt / die beste Bewertung hat.

 

Vorteile

  • Lösungen sind in ihrem Bereich sehr stark und liefern oft mehr Tiefe (mehr Features, mehr Konfigurationsmöglichkeiten) und können gerade bei besonderen Use-Cases den Unterschied ausmachen.
  • Flexibel bei Sonderfällen: Multi-Cloud, M&A, Legacy Apps, spezielle Integrationen lassen sich oft gut bedienen.
  • In ihrem Bereich eine hohe Produktreife und Stabilität

 

Nachteile

  • Mehr Koordinationsaufwand im Alltag durch unterschiedliche Managementsysteme und gegebenenfalls unterschiedliche Policy-Logiken je Security-Bereich.
  • Andauernde Integration ist eine Tugend, da Logs/Alerts in einer (zusätzlichen) Plattform integriert und harmonisiert werden sollten. Zudem sollte ein Policy / Enforcement Design über Plattformen hinweg erarbeitet werden.
  • Es kann zu erhöhtem Troubleshooting-Aufwand kommen, da Ursachen oft über mehrere Tools verteilt sein können.

Zwei Personen halten Puzzle-Teile mit den Beschriftungen «Problem» und «Solution». Das gelbe Mittelstück symbolisiert die passende Lösung für eine Herausforderung.

Single Security Vendor: konsistenter Betrieb als Design-Ziel

Ziel ist die Bereitstellung einer Plattform, welche Lösungen für verschiedenste Security-Bereiche bietet. Dabei ist weniger der Vorteil in jedem Security-Bereich die «beste» Lösung» zu haben, sondern eine einfache Integration verschiedener Lösungen. Dadurch entstehen weniger Reibungspunkte und klare Standards.

 

Vorteile

  • Ein einheitliches Management, in welchem Policies und Objekte über Produkte hinweg geteilt werden können. Dadurch sind Changes oft konsistenter umsetzbar.
  • «Look and Feel» produktübergreifend gleich
  • Zufriedenstellend, wenn Anforderungen klar sind und abgedeckt werden (das beste Feature am Markt ist oft weniger wichtig als Stabilität und einfache Abläufe)
  • Weniger Aufwand beim Betrieb der Lösungen, da weniger teamübergreifendes Know-how erforderlich ist. Zudem vereinfacht der Plattformansatz das Troubleshooting und reduziert die Anzahl technischer Schnittstellen zu Umsystemen.

 

Nachteile

  • Der Fokus ist mehr auf der Abdeckung von Security-Bereichen statt der Abdeckung jeder Funktion in jedem Security-Bereich. Dadurch fehlen gewisse «Spezialfeatures», sind weniger ausgeprägt oder stehen noch auf der Roadmap.
  • Bei einem Plattform Ansatz ist man abhängig von der Roadmap des Herstellers. Wenn ein bestimmtes Feature fehlt, ergänzt man dieses zusätzlich neben der bestehenden Plattform oder wartet auf dessen Implementierung.
  • Ein Wechsel zu einem anderen Vendor ist gegebenenfalls planungsintensiver: weil mehrere Bereiche betroffen sein können.

Fazit

Best-of-Breed bringt maximale Auswahl und oft mehr Tiefe pro Bereich – bedarf aber gleichzeitig mehr Abstimmung und Integrationsarbeit. Andernfalls wirkt sich das auf den Betrieb aus.

Single Vendor kann das Definieren von Standards und den Betrieb deutlich vereinfachen und ist in vielen Umgebungen genau richtig, auch wenn nicht jeder Security-Bereich «best of breed» ist. Entscheidend ist, dass die Plattform eure Use-Cases sauber abdeckt und sich stabil betreiben lässt.

Aus Engineering-Sicht ist es unabhängig vom gewählten Ansatz entscheidend, dass die Anforderungen und Use Cases bereits vor der Evaluation einer Lösung klar definiert sind. Der Fokus sollte dabei auf konkreten technischen Anforderungen liegen – Buzzwords auf der Anforderungsliste schaffen keinen Mehrwert. Um einen stabilen Betrieb sicherzustellen, ist ein Proof of Concept (PoC) in den meisten Fällen das Mittel der Wahl.



Balu

Balu ist langjähriger Security Engineer im Bereich Network Security und Teil der AVANTEC. Er konzentriert sich dabei auf den Bereich Firewall und unterstützt seine Kunden in der Planung, dem Design und der Umsetzung. In seiner Freizeit probiert er es mit Gemütlichkeit – ist gerne in der Natur und verbringt seine Zeit mit der Familie und Freunden.

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